Wo das KI-Rennen im Februar 2026 wirklich steht — und warum Europa ein Problem hat
Eine DDD-Analyse von Chris Martin Schappeit — Fortsetzung unserer Juli-2025-Analyse „GPT-5 vs. Grok-4 Reality Check" und des Jahresausblicks 2026
In unserer Juli-Analyse 2025 schrieben wir, dass das KI-Rennen nicht mehr von Benchmark-Königen gewonnen wird, sondern von praktischen Problemlösern, die Vertrauen verdienen und Compliance liefern. In unserem Jahresausblick prognostizierten wir: „2026 wird das Jahr, in dem KI erwachsen wird."
Wir lagen richtig. Aber wir haben die Geschwindigkeit unterschätzt — und die Kollateralschäden.
Am 3. Februar 2026 verdampften 285 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung bei Software-Aktien. In 48 Stunden. Händler bei Jefferies prägten den Begriff „SaaSpocalypse". Atlassian verlor 35% in einer Woche. Thomson Reuters 8,2 Milliarden Dollar an einem Tag. LegalZoom minus 20%. Indiens Nifty IT Index erlebte seinen schlimmsten Monat seit der Finanzkrise 2008.
Der Auslöser war keine Rezession, keine Zinswende und keine geopolitische Krise. Es war ein Plugin.
Genauer gesagt: Anthropic veröffentlichte Claude-Cowork-Plugins für juristische, finanzielle und vertriebliche Workflows — und der Markt realisierte schlagartig, dass das Per-Seat-SaaS-Modell, die goldene Gans der Enterprise-Software seit zwei Jahrzehnten, möglicherweise stirbt.
Lassen Sie uns analysieren, was tatsächlich passiert ist, wo jeder Spieler steht — und warum deutsche und europäische Unternehmen dabei ein spezielles Problem haben, das in der amerikanischen Berichterstattung komplett unter den Tisch fällt.
Akt I: Anthropic — Der leise Riese, der Enterprise-Software verschluckt
Vor sechs Monaten beschrieben wir Anthropic als die „solide Enterprise-Wahl". Das klingt heute niedlich. Was Anthropic zwischen Januar und Februar 2026 abgezogen hat, ist die aggressivste Produktoffensive in der KI-Geschichte.
12. Januar: Claude Cowork startet. In nur 1,5 Wochen gebaut — überwiegend von Claude Code selbst. Cowork nimmt das extrem erfolgreiche Entwickler-Tool Claude Code und macht es für Nicht-Techniker zugänglich. Man gibt dem System Zugriff auf einen Ordner auf seinem Rechner. Es liest Dateien, organisiert Dokumente, erstellt Tabellenkalkulationen und führt mehrstufige Workflows aus. Anthropic beschreibt es als „weniger wie ein Hin-und-her und mehr wie Nachrichten an einen Kollegen hinterlassen."
30. Januar: Plugins kommen. Elf Open-Source-Starter-Plugins für Vertrieb, Recht, Finanzen, Marketing, Datenanalyse und Softwareentwicklung. Ein Vertriebs-Plugin verbindet sich mit Ihrem CRM. Ein Rechts-Plugin führt Klausel-für-Klausel-Vertragsprüfungen gegen Ihr Verhandlungsplaybook durch, triagiert NDAs und erstellt Compliance-Briefings.
2. Februar: Das Legal-Plugin erscheint. Thomson Reuters verliert 8,2 Milliarden Dollar. Nicht weil das Plugin Thomson Reuters ersetzt — tut es noch nicht. Aber weil der Markt plötzlich sieht, dass ein Foundation-Model-Unternehmen branchenspezifische Workflow-Tools direkt in seine Plattform einbauen kann. Zu einem Bruchteil der Kosten. Warum sechsstellig für eine Legal-Tech-Suite zahlen, wenn ein 100-Dollar-Abo 80% der Anwendungsfälle abdeckt?
10. Februar: Windows-Launch. Volle Feature-Parität mit der macOS-Version. Anthropic hat gerade 70% des Desktop-Marktes erschlossen.
Die Zahlen erzählen die Geschichte. Claude Code generiert Run-Rate-Umsätze von fast 1 Milliarde Dollar — das am schnellsten wachsende Produkt in der Tech-Geschichte. 80% von Anthropics Geschäft ist Enterprise. Accenture plant Claude Code für 30.000 Mitarbeiter. Deloitte, Snowflake und Allianz haben signifikante Piloten gemeldet.
Und dann ist da der Microsoft-Faktor.
Aber zuerst: Wo ist die DSGVO in dieser ganzen Geschichte?
Akt II: Das DSGVO-Problem, über das niemand reden will
Hier wird es für europäische Unternehmen unangenehm.
Seit Januar 2026 sind Anthropics Claude-Modelle standardmäßig in Microsoft 365 Copilot aktiviert — für die meisten kommerziellen Tenants weltweit. Standardmäßig. Ohne dass ein IT-Administrator aktiv zustimmen muss.
Mit einer entscheidenden Ausnahme: Für Tenants in der EU, der EFTA und Großbritannien ist Claude standardmäßig deaktiviert. Microsoft hat die Einstellung auf „Aus" gesetzt, weil Anthropic nicht Teil der EU-Data-Boundary-Verpflichtungen ist und keine In-Country-Verarbeitungsgarantien bietet.
Klartext: Wenn Sie ein deutsches Unternehmen sind und Microsoft 365 Copilot nutzen, dann arbeiten Ihre amerikanischen Kollegen bereits mit Claudes überlegenen Analyse- und Recherche-Fähigkeiten. Ihre deutschen Mitarbeiter nicht. Weil die Daten bei Anthropic in AWS- und GCP-Rechenzentren in den USA verarbeitet werden — außerhalb jeder EU-Data-Boundary.
Das ist kein Randthema. GitHub-Copilot-Nutzer in VS Code „verlassen sich primär auf Claude Sonnet 4" in der automatischen Modellauswahl. Claude wird in Excel, Word und PowerPoint getestet. Der Researcher-Agent in Copilot — das mächtigste Recherche-Tool im Microsoft-Ökosystem — liefert mit Claude deutlich bessere Ergebnisse als mit OpenAIs Modellen.
Europäische Unternehmen, die die Anthropic-Integration nicht aktivieren, verlieren also nicht nur ein Feature. Sie verlieren einen messbaren Produktivitätsvorsprung.
Die Compliance-Experten sagen: „Sofort im Admin Center deaktivieren und eine DPIA durchführen." Die Produktivitäts-Realität sagt: „Ihre Konkurrenz in den USA arbeitet bereits damit."
Das ist das europäische KI-Dilemma in einer Nussschale. Und es wird schlimmer, bevor es besser wird.
Akt III: Microsofts Doppelstrategie — Claude intern, Copilot extern
Im Januar berichtete The Verge, dass Microsoft tausende Mitarbeiter — nicht nur Entwickler, sondern auch Designer, Produktmanager und Nicht-Techniker — aufgefordert hat, Claude Code zu installieren. In den Teams für Windows, Microsoft 365, Teams, Bing, Edge und Surface. Dasselbe Unternehmen, das 13 Milliarden Dollar in OpenAI investiert hat. Dasselbe Unternehmen, das Ihnen gerade GitHub Copilot verkauft.
Microsofts Kommunikationschef bot die diplomatische Erklärung: „Unternehmen testen regelmäßig Wettbewerbsprodukte, um den Markt besser zu verstehen."
Die Realität: Microsoft hat 5 Milliarden Dollar in Anthropic investiert. Anthropic hat sich zu 30 Milliarden Dollar Azure-Compute-Kapazität verpflichtet. Claude Opus 4.6 ist seit 5. Februar in Microsoft Foundry verfügbar. GitHub Copilot nutzt Claude Sonnet 4 als bevorzugtes Modell in der automatischen Auswahl.
Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Wenn Microsoft — mit seiner 13-Milliarden-Dollar-OpenAI-Investition und seinem eigenen Copilot-Produkt — seiner Windows-Division sagt, Claude Code zu nutzen, dann ist die Frage nicht ob Sie Anthropics Tools evaluieren sollten. Die Frage ist, warum Sie es noch nicht getan haben.
Und gleichzeitig: Wenn Sie in der EU sitzen, können Sie die volle Leistungsfähigkeit dieser Tools nicht nutzen, ohne eine DSGVO-Risikobewertung durchzuführen und möglicherweise Ihre Datenschutzbeauftragten in eine schwierige Lage zu bringen.
Willkommen im regulatorischen Spagat 2026.
Akt IV: OpenAIs Codex-Offensive — Aufholen mit Höchstgeschwindigkeit
Während Anthropic am 12. Januar Cowork launchte, folgte OpenAI am 2. Februar mit der Codex-Desktop-App — drei Wochen später, und von TechCrunch explizit als „ein großer Schritt zum Aufholen" beschrieben.
Das Codex-Ökosystem ist beeindruckend. GPT-5.3-Codex, veröffentlicht am 5. Februar, ist das leistungsfähigste Coding-Modell aller Zeiten. Es setzt neue Rekorde auf SWE-Bench Pro und Terminal-Bench. Ein OpenAI-Engineering-Team baute die Sora-Android-App in 28 Tagen mit vier Personen. Ein internes Experiment produzierte eine Million Zeilen funktionierenden Code ohne eine einzige manuell geschriebene Zeile — in einem Zehntel der normalen Entwicklungszeit.
OpenAI launchte außerdem Frontier, eine Plattform zum Aufbau und Management von KI-Agenten, die sich mit CRM-Plattformen, Data Warehouses und anderen Enterprise-Services verbinden lässt. Und GPT-5.3-Codex war an seiner eigenen Entstehung maßgeblich beteiligt — es debuggte sein eigenes Training und managte sein eigenes Deployment.
Sam Altmans Pitch: „Man kann von einem leeren Blatt Papier aus in ein paar Stunden eine wirklich ausgefeilte Software bauen. So schnell wie ich neue Ideen tippen kann, das ist das Limit."
Er liegt nicht falsch. Aber das Muster aus unserer Juli-Analyse wiederholt sich: OpenAI baut die technisch beeindruckendsten Demos, während Anthropic die praktisch nützlichsten Enterprise-Tools liefert. Die Codex-App bietet „Persönlichkeitsoptionen" — von pragmatisch bis empathisch. Anthropic liefert ein Legal-Plugin, das Ihre NDAs automatisch triagiert. Das eine ist ein Feature. Das andere ist ein Business Case mit sofortigem ROI.
Akt V: Googles Agenten-Armada — Mariner, Astra und das Ökosystem-Spiel
Google führt ein grundlegend anderes Rennen. Während Anthropic auf Desktop-Agenten mit Dateizugriff setzt und OpenAI auf Coding-Produktivität, baut Google eine Web-Browsing-Armee.
Project Mariner, angetrieben von Gemini 2.0, navigiert autonom durch Websites mit einer Erfolgsrate von 83,5% auf dem WebVoyager-Benchmark. Es kann bis zu zehn parallele Task-Streams ausführen, Flüge buchen, Produkte vergleichen, Formulare ausfüllen und Recherchen über das offene Web durchführen. Die „Teach & Repeat"-Funktion lernt einen demonstrierten Workflow und wendet ihn auf ähnliche zukünftige Aufgaben an.
Project Astra, die breitere Universal-Assistant-Initiative, integriert Vision, Audio und persistenten Speicher in ein einziges Framework mit unter 300ms Latenz. Geplant ist, in Ihren Brillen zu leben, Ihr Smartphone zu steuern und Ihr Betriebssystem autonom zu navigieren.
Googles Vorteil ist die Ökosystem-Tiefe. Wer bereits in Workspace, Gmail, Chrome und Android ist, braucht Googles Agenten nicht zu installieren. Google verarbeitet 480 Billionen Tokens pro Monat über seine KI-Produkte — ein 50-facher Anstieg seit April 2024.
Die Herausforderung? Googles Agenten sind für Web-Navigation optimiert. Für die tiefe, domänenspezifische Dateiarbeit, die Cowork leistet, sind sie weniger effektiv. Und sie tragen die fundamentale Spannung von Googles Geschäftsmodell: Wenn ein KI-Agent die Suchergebnisseite überspringt und direkt zum Checkout geht — was passiert dann mit den Werbeeinnahmen, die alles finanzieren?
Für europäische Unternehmen: Googles Datenschutzpraktiken stehen seit Jahren unter verschärfter Beobachtung der EU-Aufsichtsbehörden. Die DSGVO-Bußgelder gegen Google summieren sich auf über eine Milliarde Euro. Die Frage, ob man einem Unternehmen, das sein Geschäftsmodell auf Nutzerdaten aufbaut, autonome Agenten anvertraut, die im eigenen Namen handeln, ist nicht nur technisch — sie ist fundamentalpolitisch.
Akt VI: Atlassian Rovo — Das SaaSpocalypse-Opfer, das zurückschlägt
Hier wird die Geschichte interessant. Atlassians Aktie fiel 35% in einer Woche. Minus 39% in 2026. Minus 80% vom Allzeithoch 2021. Investoren sahen, wie Claude Code Entwicklern ermöglicht, eigene Koordinationstools zu bauen, und erklärten Jira und Confluence für tot.
Sie liegen falsch. Oder zumindest zu früh.
Denn Atlassian sitzt nicht in der Ecke und wartet auf die Disruption. Sie bauen ihren eigenen KI-Agenten — und der hat einen strukturellen Vorteil, den weder Anthropic noch OpenAI leicht replizieren können.
Rovo ist Atlassians agentic AI Plattform. Bereits über 5 Millionen monatlich aktive Nutzer — ein „unglaublicher Erfolg", wie CEO Mike Cannon-Brookes im letzten Earnings Call sagte. Und hier ist der Clou: Atlassian hat diese 5 Millionen Rovo-Sitze bei steigenden Brutto-Margen geliefert. Sie haben das Kostenproblem gelöst, an dem jedes andere KI-deploying Unternehmen scheitert.
Rovo Dev, der entwicklerfokussierte Agent, ist ab sofort allgemein verfügbar — CLI, GitHub/Bitbucket-Integration und eine VS-Code-Extension (noch Beta). Für 20 Dollar pro Nutzer und Monat mit 2.000 Credits konkurriert es direkt mit Claude Code und Codex. Es generiert Code, reviewt PRs, automatisiert Workflows — Standard für 2026. Aber hier ist seine einzigartige Waffe: Atlassians Teamwork Graph.
Rovo Dev versteht nicht nur Ihren Code. Es versteht Ihre Jira-Tickets, Ihre Confluence-Dokumentation, Ihre Sprint-Ziele, Ihre Akzeptanzkriterien und den vollständigen Kontext, warum Sie diesen Code schreiben. Bei einem PR-Review validiert es Änderungen gegen die in Jira definierten Akzeptanzkriterien. Bei der Codeplanung nutzt es Wissen aus dem gesamten Atlassian-Ökosystem.
Claude Code schreibt brillanten Code. Rovo Dev schreibt den richtigen Code — den Code, der tatsächlich dem entspricht, was das Business angefordert hat.
Das ist der „Data Moat", über den Analysten sprechen, wenn sie diskutieren, welche SaaS-Unternehmen die SaaSpocalypse überleben. Atlassian hat nicht nur Nutzer. Es hat den akkumulierten Knowledge Graph, wie Millionen von Teams Arbeit organisieren, planen und ausführen. Das kann ein Foundation Model nicht in 1,5 Wochen mit einem Plugin replizieren.
Die Ironie ist dick aufgetragen: Atlassian war eines der größten Opfer der SaaSpocalypse, ist aber möglicherweise eines der am besten positionierten SaaS-Unternehmen, um sie zu überleben. Umsatz auf Rekordhoch — 1,6 Milliarden Dollar im letzten Quartal, plus 23%, das schnellste Wachstum seit fast zwei Jahren. F&E-Ausgaben: 826 Millionen Dollar in einem einzigen Quartal.
Für europäische Unternehmen: Atlassian bietet Cloud-Hosting in der EU, Datenresidenz-Optionen und SOC-2/ISO-27001-Zertifizierungen für Rovo. Das ist ein echtes Compliance-Argument gegenüber Claude Cowork, das auf dem lokalen Rechner läuft und Dateien an US-Server sendet. Wer bereits im Atlassian-Ökosystem ist, hat hier einen DSGVO-freundlicheren Weg in die KI-Zukunft.
Akt VII: HubSpot Breeze — Das CRM, das die Aufgabe verstanden hat
Wenn Atlassians Antwort auf die SaaSpocalypse lautet „Wir haben den Data Moat", dann ist HubSpots Antwort simpler: „Wir haben bereits die Agenten gebaut, die Ihre Marketing- und Vertriebsteams brauchen."
Breeze ist HubSpots KI-Plattform und repräsentiert genau die Art domänenspezifischer Intelligenz, die generische Agenten schwer replizieren können. Während Claude Cowork Dateien verarbeiten und Workflows ausführen kann, versteht Breeze den Marketing-Funnel. Es weiß, wie ein qualifizierter Lead in Ihrem CRM aussieht. Es versteht Buyer-Intent-Signale. Es spricht die Sprache von Kampagnen, Pipelines und Conversion Rates.
Das Breeze-Ökosystem umfasst per Februar 2026 über 15 spezialisierte Agenten für Marketing, Vertrieb und Service:
Der Customer Agent hat sich zu einem vollständigen KI-Concierge entwickelt — Lead-Qualifizierung, Meeting-Buchung, Preisfragen beantworten und Support-Anfragen über neun Kanäle lösen. Kaplan berichtet von 77% weniger menschlich bearbeiteten Support-Tickets bei gleichzeitig steigender Conversion Rate durch 24/7-Verfügbarkeit. Für ein 50-Personen-Team ergibt das 90.000 bis 130.000 Euro jährliche Einsparungen.
Der Prospecting Agent funktioniert als 24/7-BDR, der Prospects auf Kaufsignale monitort, Zielaccounts recherchiert und personalisierte Outreach-Mails in Ihrer Markenstimme und mit CRM-Daten verfasst. Early Adopter berichten, dass er „E-Mails verfasst, die einige unserer US-basierten BDRs in Qualität und Engagement übertreffen." Das ersetzt nicht Junior-Mitarbeiter mit KI — das übertrifft erfahrene Mitarbeiter bei ihrer Kernfunktion.
Der Content Agent generiert Blogposts, E-Mail-Copy, Social Posts und Landing-Page-Inhalte, kalibriert auf Ihre bestehende Markenstimme und CRM-Daten. Kombiniert mit dem neuen AI Engine Optimization (AEO) Tool — das optimiert, wie Ihre Marke in LLM-generierten Antworten erscheint — positioniert sich HubSpot für eine Post-SEO-Welt, in der der Kunde nicht mehr Google fragt, sondern einen KI-Agenten.
Seit Januar 2026 laufen Breeze-Studio-Agenten auf GPT-5 als Backbone. Die neue Run-Agent-Workflow-Action bettet diese Agenten direkt in HubSpots Automation-Engine ein — Sie können einen KI-Agenten jetzt als Schritt in jedem Workflow triggern, nicht nur als Standalone-Tool.
Warum Breeze im SaaSpocalypse-Kontext strategisch wichtig ist: HubSpots Aktie wurde mit allen anderen SaaS-Unternehmen abgestraft. Aber HubSpots Per-Seat-Modell hat sich bereits weiterentwickelt. Breeze läuft auf einem Credit-System, nicht auf zusätzlichen Seats. Die Agenten fügen keine Kopfzahl zu Ihrer Lizenz hinzu — sie fügen Fähigkeiten zu Ihrem bestehenden Abonnement hinzu. Genau das outcome-basierte Preismodell, das Analysten für das Überleben von SaaS fordern.
Für unsere Hospital-at-Home- und Healthcare-Klienten: Ein 200–600-Betten-Krankenhaus, das HubSpot implementiert, bekommt nicht nur ein CRM — es bekommt ein KI-gestütztes Patientenengagement-System. Breeze Customer Agent hat in Healthcare-Deployments eine 139% Steigerung des Patientenengagements und 123% mehr Überweisungen demonstriert. Der Prospecting Agent kann Arzt-Überweisungsmuster erkennen und im richtigen Moment reagieren.
Die tiefere Erkenntnis: Claude Cowork und Codex sind horizontale Tools, die alles können. Breeze ist ein vertikales Tool, das Marketing und Vertrieb versteht. Unsere 80/20-Regel gilt auch hier: Für 80% der CRM-Anwendungsfälle wird ein zweckgebundener Agent, der in Ihren Kundendaten lebt, einen generischen Agenten übertreffen, der Dateien aus einem Ordner liest. Die restlichen 20% — komplexe, abteilungsübergreifende Workflows — sind dort, wo Cowork und Codex wirklich glänzen.
Der kluge Schachzug ist nicht die Wahl zwischen ihnen. Sondern zu verstehen, welche Schicht Ihres Unternehmens jeder einzelne bedient.
Akt VIII: Die SaaSpocalypse — Warum 285 Milliarden Dollar verschwanden
Das Per-Seat-SaaS-Modell funktionierte, weil Software menschliche Bediener brauchte. Man kaufte Salesforce und stellte Sales-Admins ein. Man kaufte Adobe Creative Cloud und stellte Designer ein. Die Software war das Werkzeug; der Mensch war der Motor.
Diese Dynamik kehrte sich im Februar 2026 um. Der Markt erkannte: Wenn ein KI-Agent die Arbeit von zehn menschlichen Vertriebsmitarbeitern übernehmen kann, wird das Modell „für zehn Seats bezahlen" unhaltbar. Man geht von 10 Leuten mit SaaS-Tools auf 5 Leute mit 50 KI-Agenten über — die maßgeschneiderte Workflows erstellen, die exakt zum Problem passen. Nicht zu dem Problem, das der SaaS-Anbieter zu lösen beschlossen hat.
KI-Agenten kosten Cents pro Aufgabe. Sie arbeiten rund um die Uhr. Sie können Ihre Makros lesen, Ihre Confluence-Seiten und den Slack-Thread, in dem Bob mit der Finanzabteilung über die Formel diskutiert hat.
Die am härtesten getroffenen Unternehmen: Atlassian minus 35%, weil Claude Code Entwicklern ermöglicht, eigene Koordinationstools zu bauen. Intuit minus 11%, weil autonome KI-Agenten Belege scannen, Bücher führen und Steuern einreichen können. Salesforce weiter prekär — trotz „Agentforce"-Marketing.
BofAs Vivek Arya argumentiert, der Ausverkauf sei irrational — Investoren preisen gleichzeitig ein, dass KI-Investment scheitert und KI SaaS disruptiert, was sich gegenseitig ausschließt. Wenn KI scheitert, kann sie Software nicht disruptieren. Wenn sie erfolgreich genug ist, um zu disruptieren, sind die Investitionen gerechtfertigt.
Er hat einen Punkt. Aber die Richtung ist klar.
Akt IX: Der regulatorische Spagat — Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Für die 200–600-Betten-Krankenhäuser, Healthcare-Organisationen und mittelständischen Unternehmen, mit denen wir arbeiten, hat das, was gerade passiert, weitreichende und vor allem europaspezifische Implikationen.
Das EU-AI-Act-Compliance-Fenster schließt sich. Am 2. August 2026 werden die Anforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme vollständig durchsetzbar. Das umfasst KI in HR, Kreditentscheidungen, Bildung und — besonders relevant — im Gesundheitswesen. Organisationen, die jetzt agentic KI deployen — und das tut jede Organisation, die Claude Cowork, Codex oder Googles Agenten nutzt — brauchen Compliance-Frameworks. Gestern wäre besser gewesen. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 35 Millionen Euro oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes — mehr als die DSGVO.
Wichtig: Die Europäische Kommission hat ein „Digital Omnibus"-Paket vorgeschlagen, das die Hochrisiko-Verpflichtungen auf Dezember 2027 verschieben könnte. Aber diese Verschiebung ist an Bedingungen geknüpft und nicht beschlossen. Wer sich darauf verlässt, spielt russisches Roulette mit dem Compliance-Kalender.
Die DSGVO-Falle bei Claude. Anthropics Modelle sind explizit von Microsofts EU-Data-Boundary ausgenommen. Daten werden in US-Rechenzentren von Anthropic verarbeitet — auf AWS und GCP, nicht auf Azure. Für EU/EFTA/UK-Tenants ist Claude in Microsoft 365 Copilot standardmäßig deaktiviert. Wer es aktiviert, muss selbst eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DPIA) durchführen. Der Compliance-Rat ist eindeutig: „Sofort deaktivieren und erst bewerten."
Die Produktivitätsrealität ist genauso eindeutig: Ihre US-Konkurrenz nutzt Claude bereits in Excel, Word, PowerPoint und dem Researcher Agent. Der Researcher Agent mit Claude liefert bessere Ergebnisse als mit OpenAIs Modellen. Das ist kein theoretischer Vorteil — das ist ein messbarer Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen.
CRM-Implementierung hat sich verändert. HubSpots Breeze-Agenten bieten eine Alternative, die innerhalb der existierenden HubSpot-Datenschutzvereinbarungen operiert. Ein Prospecting Agent, der erfahrene BDRs in E-Mail-Qualität übertrifft. Ein Customer Agent, der Support-Tickets um 77% reduziert. Ein Content Agent, der Kampagnenmaterial kalibriert auf Ihre CRM-Daten generiert. Das Breeze-Credit-System bedeutet: Sie zahlen für Ergebnisse, nicht für Seats. Und weil Breeze innerhalb der HubSpot-Plattform läuft — mit EU-Hosting-Optionen und DSGVO-Compliance-Dokumentation — vermeiden Sie den regulatorischen Spagat, den Claude Cowork erfordert.
Ihr Atlassian-Stack ist jetzt ein strategischer Vorteil. Wenn Sie Jira und Confluence betreiben, verwandeln Rovo Dev und die breitere Rovo-Plattform Ihre akkumulierten Projektdaten in einen Wettbewerbsvorteil. Generische KI-Agenten können Code schreiben. Rovo Dev schreibt Code, der Ihren Akzeptanzkriterien, Architektur-Mustern und dokumentierten Team-Entscheidungen entspricht. Atlassians EU-Cloud-Optionen und SOC-2/ISO-27001-Zertifizierungen für Rovo bieten einen compliance-freundlicheren Pfad als die generischen Agenten. Für 20 Dollar pro Nutzer und Monat ist das eine günstige Versicherung gegen den „eigene Tools bauen"-Impuls, den die SaaSpocalypse gerade auslöst.
Multi-Model-Strategie ist keine Option mehr — sie ist DSGVO-Pflicht. Wenn Microsoft intern Claude Code neben GitHub Copilot testet, dann ist „Welche KI nutzen wir?" die falsche Frage. Die richtige Frage: Welche KI für welchen Workflow, und wie steuern wir das Portfolio unter DSGVO-Bedingungen? US-basierte Modelle für nicht-personenbezogene Daten. EU-gehostete Lösungen für alles, was Kundendaten berührt. Das ist fundamental eine CRM-Level-Integrationsentscheidung, keine IT-Beschaffungsfrage.
Die Anzeigetafel: Februar 2026
Anthropic: Enterprise-Marktführer. Am schnellsten wachsendes Produkt (Claude Code, fast 1 Mrd. $ ARR). Microsoft-unterstützt. Plugin-Ökosystem schafft domänenspezifische Gräben. Hat die SaaSpocalypse ausgelöst. Das gefährlichste Unternehmen in der Tech-Welt gerade. Für Europa: DSGVO-Risiko bei der Nutzung über Microsoft 365 Copilot — EU-Data-Boundary wird nicht eingehalten.
OpenAI: Technischer Frontier-Halter. GPT-5.3-Codex setzt Benchmark-Rekorde. Codex-App und Frontier-Plattform zeigen Ambition. Aber bei Enterprise-Workflows im Aufholmodus. Und: ChatGPT testet jetzt Werbung — eine Entscheidung, die im europäischen Unternehmenskontext katastrophale Vertrauenssignale sendet.
Google: Ökosystem-Riese. Bestpositioniert für die „Universal Agent"-Zukunft. Mariner und Astra technisch beeindruckend. Aber Monetarisierungsmodell kollidiert mit dem inhärenten Bypass der Agenten-KI an werbegestützten Interfaces. Und über eine Milliarde Euro DSGVO-Bußgelder als Hypothek.
Atlassian (Rovo): Der SaaSpocalypse-Überlebende. 5 Mio. Rovo-Nutzer bei steigenden Margen. Rovo Dev bringt KI-Coding ins Atlassian-Ökosystem für 20$/Nutzer/Monat. Der Teamwork Graph ist ein echter Data Moat. Aktie minus 80% von den Hochs, aber Umsatz auf Rekordniveau. EU-Cloud-Hosting und Compliance-Zertifizierungen als Argument für europäische Kunden.
HubSpot (Breeze): Der vertikale KI-Gewinner. 15+ spezialisierte Agenten für Marketing, Vertrieb und Service in Ihren Kundendaten. Credit-basiertes Pricing bereits angepasst an das Outcome-Modell, das der Markt fordert. Healthcare-Deployments mit 139% Engagement-Steigerung. EU-Hosting-Optionen und existierende DSGVO-Compliance-Dokumentation als klarer Vorteil gegenüber generischen Agenten.
xAI/Grok: 38 Millionen Nutzer, aber in der Enterprise-Diskussion völlig abwesend. Wildcard, die Wettbewerbsdruck hochhält, ohne Enterprise-Wert zu generieren.
Was kommt als Nächstes
In unserem Dezember-Ausblick schrieben wir: „2026 wird das Jahr, in dem KI erwachsen wird." Sechs Wochen später ist es präziser zu sagen: 2026 ist das Jahr, in dem KI begann, die Tools zu ersetzen, die sie eigentlich verbessern sollte.
Die nächsten sechs Monate werden von drei Dynamiken definiert:
Erstens, der Plugin-Krieg. Jedes KI-Labor wird domain-spezifische Plugins entwickeln. Der Gewinner ist nicht das schlaueste Modell — sondern das am tiefsten in die tatsächlichen Workflows Ihres Rechts-, Vertriebs- und Operationsteams integrierte.
Zweitens, die Preis-Abrechnung. SaaS-Unternehmen müssen von Per-Seat zu Outcome-basiertem Pricing pivotieren — oder zusehen, wie ihre Bewertungen weiter komprimieren. IDC prognostiziert, dass 70% der Software-Anbieter bis 2028 ihre Preismodelle umstrukturieren.
Drittens — und hier haben europäische Unternehmen einen paradoxen Vorteil — die Governance-Lücke. Agentic KI, die Dateien lesen, Aufgaben ausführen und mit externen Services interagieren kann, ohne kontinuierliche menschliche Aufsicht, erzeugt Risiken, für die die meisten Organisationen nicht gerüstet sind. Prompt Injection, unautorisierter Datenzugriff und „agentic Halluzination" — wo eine KI selbstbewusst die falsche Aktion ausführt — sind keine theoretischen Bedenken. Es ist Dienstag.
Und genau hier könnte die europäische Regulierungsdichte, die sonst als Wettbewerbsnachteil beklagt wird, zum Vorteil werden. Unternehmen, die jetzt DSGVO-konforme KI-Governance-Frameworks aufbauen, haben ab August 2026 nicht nur ein Compliance-Problem gelöst — sie haben ein Vertrauensargument gegenüber Kunden, die zunehmend fragen, was mit ihren Daten passiert, wenn der KI-Kollege am Schreibtisch sitzt.
Das KI-Rennen im Februar 2026 handelt nicht davon, wer das schlaueste Modell hat. Es handelt davon, wer den nützlichsten Agenten hat, die tiefste Enterprise-Integration — und die überzeugendste Compliance-Story.
Für die Unternehmen, die wir beraten: Das Fenster zum Zuschauen von der Seitenlinie schloss sich vor etwa drei Wochen. Die 285 Milliarden Dollar Selloff war keine Marktüberreaktion. Es war ein Markt, der endlich zur Realität aufschloss.
Willkommen im Zeitalter des KI-Kollegen. Er sitzt bereits an Ihrem Schreibtisch.
Aber in Europa sitzt er dort mit einer DSGVO-Fußfessel. Und genau diese Fußfessel könnte sich als der klügere Ansatz herausstellen.
Chris Martin Schappeit ist Gründer von protagx.com, einer strategischen CRM-Implementierungsberatung mit Spezialisierung auf Healthcare und Enterprise-Lösungen. Er ist Host des DDD-Podcasts (Data, Decisions, Design). Dieser Artikel folgt auf den Juli 2025 „GPT-5 vs. Grok-4 Reality Check" und den Dezember 2025 „KI-Jahresausblick 2026."